Mittwoch, 15. Dezember 2010

Winterruhe


Draußen ist es tief verschneit und in den Gewächshäusern macht sich ein klein wenig Langeweile unter den Überwinterungsgästen breit. Pflanzen gehen nunmal nicht in die Stadt um Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Sie kommen auch nicht in Versuchung, all die ganzen Weihnachtsmärkte abzuklappern auf der Suche nach dem besten Glühwein. Für die mediterranen Gewächse ist die Weihnachtszeit verbunden mit Ruhe. Manche Pflanzen lassen vor lauter innerer Einkehr sogar all ihre Blätter fallen. Für die meisten Pflanzen allerdings kommen jetzt die längsten Nächte und damit beginnt für sie der Wettlauf nach dem lebensspendenden Licht. Alle Blätter werden ausgebreitet, so gut es eben geht. Ja kein Lichtstrahl sollte verloren gehen. In den Glashäusern aber, die nur an der Frostgrenze erwärmt sind, dort scheinen die Pflanzen zu schlafen. Kein Laut. Nur das brummen der Heizung ist zu hören. Jetzt bloß nicht hektisch durchs Glashaus laufen, damit die Wintergäste nicht geweckt werden. Nur der Rosmarin..... Blue Lagoon so heißt die Sorte. Der blüht! So ein schmarrn! Das kann ich garnicht leiden wenn die Pflanzen in Winterruhe unbedingt meinen, sie müssten um diese Zeit den Bär tanzen lassen! Und im Frühjahr ist dann Katerstimmung. Nicht ausgeschlafen, keine Kraft um hübsch zu blühen und ständig dahin kränkeln. Das ist wie bei den Menschen, die nach der Arbeit und am Wochenende an den Glühweinständen der Weihnachtsmärte rumhängen und am nächsten Montag sind dann alle krank. Den Rosmarin stell ich jedenfalls mal ins Freie. Damit er zur Besinnung kommt. Und hoffentlich spricht sich das Erlebnis dann im Gewächshaus herum. Ohne Worte versteht sich. Denn Pflanzen sind ja auch nur Menschen.

Samstag, 11. Dezember 2010

Wieder mittendrin


Bis man es sich versieht, ist es wieder Winter und alles scheint beim Alten zu sein. Nein. Wir schreiben (noch) das Jahr 2010 und in meinen Glashäusern tummeln sich wieder alte Bekannte. Alt auch. Obwohl sich der Begriff Alter bei den Pflanzen völlig anders definiert als bei uns Menschen. Bei den Pflanzen zum Beispiel steigen mit zunehmendem Alter Wert und Ansehen. Außerdem ist ein -sagen wir mal- 50jähriger Olivenbaum gerade mal so aus dem Gröbsten raus, wie wir Eltern gerne mal sagen wenn die Kinder so was ähnliches wie Erwachsen werden. Und daher kann ein jugendlicher Olivenbaum mit 50 Jahren noch keinesfalls irgendetwas über Rente hören. Der will raus! Der will was erleben! Da ist er hier in der Winterfreizeit für Überwinterungsgewächse allerbestens aufgehoben. Da steht er unter Gleichgesinnten. Lorbeer, Eukalyptus, Oleander oder aber auch Orangenbäume leisten dem Jungspund Gesellschaft. Hier kann er sich so richtig austoben.... im Stehen versteht sich. Außerdem sind die Bewegungen etwas langsamer, als wir Menschen das gewohnt sind. Das sieht man nicht gleich auf den ersten Blick, wenn ein Trieb wächst! Insgesamt aber hat die Aufgabe Baum zu sein, schon etwas Aufregendes. Also ich meine im pflanzlichen Sinne. Man muss es nämlich schon aushalten können, einfach so herumzustehen.
Deshalb will ich mir für meine Wintergäste in der Gärtnerei, auch dieses Jahr wieder so einiges einfallen lassen. Und Sie können mit dabei sein. Ich versuche alle Aktivitäten an dieser Stelle zu veröffentlichen - zu posten, wie der Bayer sagt.... nein Prosten sagt der Bayer. Posten ist dann wohl wieder etwas Anderes. Jedenfalls lasse ich Sie nicht im Unklaren darüber, was denn so alles in der Winterfreizeit für Kübelpflanzen so passiert..... in der "merk-würdigen" Gärtnerei Kahl

Freitag, 12. März 2010

Winterblues



Etwas irritiert spitzt die Zuckerwurzel aus dem Schnee. Eigentlich wäre es an der Zeit aufzuwachen. Dieser kurze Frühlingsversuch von letzter Woche hat nicht nur den Pflanzen Lust auf mehr gemacht. Ich finde, langsam ist es genug mit dem weißen Zeugs und der Kälte und diesem ewigen anziehen warmer Klamotten. Außerdem verlangen die Pflanzen nach Frühling. Da merkt man eben doch deren Herkunft aus mediterranen Gefilden. Natürlich versuche ich, das Klima in den Gewächshäusern so frühlingshaft wie möglich zu gestalten. Tagsüber steigen die Temperaturen auch gerne mal über 20 Grad wenn draußen der eisige Ostwind pfeift. Aber was nützt es wenn ich den Gewächsen erklären möchte, dass draußen noch tiefer Winter herrscht. Die halten mich doch für völlig bescheuert. Dabei kann ich ja am allerwenigsten für diesen Winterschmarrn. Muss ich mich vor den Pflanzen auch noch für das Wetter rechtfertigen? So weit kommts noch! Leicht ist es nicht, Pflanzengäste bei sich zu beherbergen.


Wenn sich an der Stimmung im Glashaus nichts ändert, versuche ich es morgen wieder mit vorlesen. Das hatten wir letzten Winter schonmal. Ein Gruselbuch über Fleischfressende Pflanzen. Diese Lektüre ist für die Pflanzen das, was für uns die ganzen Horrorvideos und all diese heroischen Kriegsfilme darstellen. Nur bei den Pflanzen achte ich darauf, dass ich das nur in dem Haus mit den Großpflanzen zum Vortrag bringe. Damit die Kleinen das nicht mitbekommen. Bei uns Menschen scheint die Qualität von Filmen bei unseren Kindern immer noch keine große Rolle zu spielen. Dann fange ich wenigstens mal bei den Pflanzenkindern an. Für die Kleinen gibts dann eben das Buch "Pflanzenpalaver" von Florianne Koechlin. Damit lernen die Pflänzchen schon, dass manche Menschen durchaus willens sind zu lernen, Pflanzen zu verstehen. Ich könnte mir vorstellen, dass dies deren Selbstbewusstsein fördert.

Donnerstag, 4. März 2010


Jetzt ham wir den Salat! Also eher Blütensalat. Der Winter ist eigentlich vorüber und alle freuen sich auf den Frühling, aber jetzt dieser Kälteeinbruch. Oder Kälterückfall. Vielleicht meldet sich der Winter ja nochmal zurück, was weiß ich!? Die Camellien zumindest möchten gerne anfangen zu blühen. Aber sie trauen sich noch nicht so recht. Das deutet eher darauf hin, dass uns die winterlichen Temperaturen noch ein wenig begleiten. Langsam gehen mir die Themen aus. Worüber soll ich mich denn noch mit den Pflanzen unterhalten? Schon alleine deshalb wäre es Zeit, wenn der Winter nun ein Ende nähme.

Montag, 22. Februar 2010

Pflegeschnitt im Olivenhain



Derzeit sieht es in den Glashäusern aus, wie in den Olivenhainen der Toscana oder Liguriens. Also das mag jetzt etwas übertrieben sein. Nicht so hügelig wie dort. Möglicherweise auch nicht so warm. Und sicherlich auch nicht soooo viele Olivenbäume. Aber die Ansätze eines Olivenhaines findet man derzeit allemal in meiner Gärtnerei. So ist es eine tagesfüllende Beschäftigung für mich, sich all den Olivenbäumen anzunehmen, die darauf warten wieder etwas umsorgt und gepflegt zu werden. Oliven sehen sich nicht gerne mit unendlich vielem Geäst in der Krone. Das wäre in etwa vergleichbar mit uns Menschen, die wir jahrelang nicht mehr zum Friseur gingen. Genauso erwarten die Oliven einen regelmäßigen Fassonschnitt.

Das stimmt natürlich überhaupt nicht. Denn die Oliven, wie alle anderen Bäume, sind über Jahrtausende ohne menschliche Pflegedienste ausgekommen. Wir Gärtner haben allenfalls das Problem, dass wir glauben wir wüssten was für die Pflanzen gut sei. Dabei sind es doch oftmals unsere eigenen Bedürfnisse, die wir auf die Pflanzen übertragen. Wie es überhaupt schwierig ist, sich unbefangen und neutral auf die Pflanzen einzulassen. Zu erspüren wie die Pflanzen fühlen, oder was sie gerade brauchen. Da finde ich es allemal einfacher, die Forderung eines Babys zu erraten, wenn es schreiend auf sich aufmerksam macht. Und so sitze ich unter der Olive und frage mich, ob die Pflanze dies nun auch schön finden mag, was ich da tue. Derzeit gehe ich davon aus, dass die Arbeit die ich da mache, gut ist für die Olivenbäume. Denn die Oliven wachsen und Gedeihen aufs Prächtigste im darauffolgenden Sommer. Auch nur Projektion? Wer weiß das schon. Schön finde ich jedenfalls, dass mich die Pflanzen hier gewähren lassen und meine pflegerischen Dienste ohne pflanzlichen Protestschrei hinnehmen. Ich überlege, ob ich nicht aus Solidarität mit den nun geschnittenen Olivenbäumen nicht doch nächste Woche einen Friseur Termin vereinbaren sollte?!
An dieser Stelle möchte ich unbedingt meine erste regelmäßige Leserin begrüßen. Herzlichen Dank Christine, dass du hier den Anfang gemacht hast. Ich habe zwar keine Ahnung, was es da so auf sich hat mit Leser verfolgen (das hat ein kleinwenig den Anflug von Überwachung) und regelmäßigen Lesern und so. Aber das wird mir hoffentlich auch noch klar im Laufe der Zeit. Wenn ich es nicht selber rausfinde, dann frage ich meine Töchter, die da schon viel vertrauter mit den Blogs sind, als ich das jemals sein möchte. Ich hab ja genug damit zu tun, mich in die Pflanzen reinzudenken (siehe oben). Da ist für die endlosen Weiten des Internets nur begrenzt Platz in meinem Kopf. Also, herzlich Willkommen nochmal, Christine!

Mittwoch, 17. Februar 2010

Fasching auch in der Gärtnerei.



Keine Ahnung, wer auf diese saudumme Idee gekommen ist. Aber irgendeine Pflanze von unseren Überwinterungsgästen hatte wohl plötzlich den dringenden Wunsch, sich zu verkleiden. Fasching, was denn sonst!! Oder auch Karneval. Für einen Faschingsmuffel wie mich, eine gruselige Zeit. Und wenn dann auch noch die Kübelpflanzen damit anfangen, dann stehe ich schon etwas fassungslos in den Glashäusern und verstehe die Welt nicht mehr. Die Agave gibt sich als Citruspflanze aus und möchte mit Früchten der Sauermandarine bestückt werden.
Die Olive kommt nun auch auf den Geschmack und möchte plötzlich einen auf Zitrone machen....

... und die Zitrone ihrerseits wollte immer schon als Apfelbaum gesehen werden. Na mir soll es recht sein. Wenn sie ihre Freude dran haben. Und amüsiert haben sich die Pflanzen ganz offensichtlich. Bei herrlichen Sonnenschein waren offenkundig alle Gewächse sehr guter Dinge! Nur gut, dass niemand angefangen hat nach Sekt zu rufen. Das hätte gerade noch gefehlt. Am Ende muss man dann auch noch Alkoholgeschädigte Pflanzen beklagen. Das ging dann doch etwas zu weit.
Gut ist nur, dass jetzt der Spuk wieder vorbei ist und ab morgen geht es dann weiter in der Winterfreizeit für unsere Pflanzengäste. Dann nämlich werden sie mal wieder so richtig abgeduscht. Wir nennen es so eine Art Vitalitätstraining. Man darf gespannt sein, was die Pflanzen so kurz nach einem ausgiebigen Faschingstreiben dazu sagen.

Dienstag, 2. Februar 2010

Frühlingsgefühle



Jetzt lässt sich der Frühling nicht mehr aufhalten! Am 3. Februar ist Maria Lichtmess. Früher warteten Katholiken, Bauern und Gärtner (was damals wie heute mehr oder weniger gleichbedeutend zu sein scheint) sehnsüchtig darauf. Denn ab jetzt fängt der Tag spürbar an zu wachsen, wie es heißt. Schon die Kelten feierten anfang Februar das Imbolc Fest, um damit den Frühling zu begrüßen. Egal wie wir diesen Tag auch nennen, für die Pflanzen heißt es nun langsam aufwachen aus der Winterruhe. Das ist natürlich immer etwas kompliziert, wenn so viele Gewächse auf engem Raum in Frühlingswallung kommen. "Türe auf, der Sommer ist da" die Einen. "Türe zu ich will noch schlafen" die Anderen. Und ganz Oberschlaue fragen schon, wann sie endlich nach Hause dürften. Was doch so ein Sonnentag bewirken kann. Man spürt förmlich die Unruhe in den Gewächshäusern und wenn ich glaube, dass eine Pflanze zu weit geht mit ihren Frühlingsgefühlen, dann setze ich sie kurzerhand in den Schnee. Hoch oben auf dem vormaligen Glasdach. Derzeit Schneedach. Da soll sie nun stehen und den Sonnenschein genießen und sich kalte Wurzeln holen, damit endlich Ruhe ist mit dieser ewigen Quängelei. Aber bevor sie sich einen Schnupfen oder etwas Pflanzenähnliches einfängt, trage ich sie lieber wieder an ihren angestammten Platz. Ich hoffe, dass diese Aktion genügt, um die nötige Ruhe im Haus wieder einkehren zu lassen. Eine Ruhe, weswegen die Meisten ja schließlich gekommen sind. Und nicht um hier Party zu feiern! Wir sind doch nicht auf Ibiza. Und das Oktoberfest beginnt auch erst in etwa acht Monaten. Über den Fasching mag ich lieber kein Wort verlieren. Hoffentlich stammt nicht irgendein Pflanzengast aus dem Rheinland.....