Montag, 21. Februar 2011

Nebelfrust


Also ich möchte ja nicht meckern.... doch! Ja, doch! Ich möchte eben schon meckern! Eigentlich würde ich mich sogar sehr gerne beschweren wollen!! Seit etwa zehn Tagen Hochnebeliges, nichtssagendes Blödarschwetter und nichts, aber auch garnichts bewegt sich in den Glashäusern! Die Pflanzen wachsen nicht, sie machen keine Anstalten neue Blätter zu treiben. Von Blüten mag ich garnicht erst zu träumen anfangen. Gut, ich gebe zu. Ein guter Gärtner sollte seine Pflanzen auch in Zeiten der witterungsbedingten ewigen Ruhe bei Laune halten können. Dies würde aber voraussetzen, dass sich wenigstens der Gärtner fit genug fühlt um für seine Pflanzen den Clown zu geben. Aber ich muss gestehen, dass mich solche Lichtarmen Nebelzeiten wenig ausgeglichen machen. Kein Wind, keine Sonne, kein Regen..... nicht mal nennenswerte Mengen Schnee wollen den Himmel weiß färben. Im Moment gilt es nur abzuwarten und das alles auszuhalten. Zwischendurch gibt es schonmal die ersten Testauftritte auf Gartentage für meine Pflanzen. In der Halle versteht sich. Mit ausreichend Kunstlicht, was sonst!? Das ist eine Möglichkeit, die Pflanzen etwas bei Laune zu halten, sie unter die Leute zu bringen und mich dazu..... vielleicht geht so auf diese Weise auch der hartnäckigste Nebelfrust. Bei den Pflanzen genauso wie bei mir.

Montag, 17. Januar 2011

Frühlingslüftchen

Gestern, 16. Januar und Frühling in München. Die Sonne über Oberbayern scheint sich in ihrer flachen Winterbahn etwas verlaufen zu haben. Denn gestern hat sie uns ein sehr wärmendes Schauspiel geliefert. Alle Menschen in München schienen den Drang verspürt zu haben, raus gehen zu müssen um Sonnenlicht und Wärme zu tanken. Die Einen überrennen dabei die Parks der Stadt, die Anderen sitzen lieber in den Cafes und nippen an einem Espresso, wieder andere sieht man dick eingepackt in ihrem Auto sitzen und mit ihrem Cabrio durch die Stadt flanieren. Wichtigstes Utensil scheint an solchen Sonnentagen die Sonnenbrille zu sein. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, warum sich viele Menschen zwar übers Sonnenlicht freuen, ihren Augen aber offensichtlich die ewige Dunkelheit verschrieben zu haben scheinen.
Bei den Wintergästen in der Gärtnerei ist es da schon anders. Alle Pflanzen scheinen ihre Blätter an so einem Tag voll und ganz auf die Sonne auszurichten. Nur keinen Strahl auslassen.
Und wenn man so durch die Glashäuser geht macht es den Anschein, als würden sich die Pflanzengäste auf einen gedanklichen Sonntagsspaziergang begeben. Das fehlte noch. Am Ende sollte ich mir noch ein Cabrio mieten um die Pflanzen durch die Stadt zu fahren? Pffff...... Allerdings kann man seit Kurzem schon die ersten Blütenknospen erkennen. An Oleandern genauso wie bei der Juanulloa.... Don Juan Pflanze, naja, wenn man so einen Namen aufgedrückt bekommt, da kann man ja auch nur noch schön sein wollen wann immer es auch geht.
Eine gärtnerische Herausforderung bleibt die Frage was man den mediterranen Gewächsen wohl erzählt, wenn die Temperaturen und das fehlende Sonnenlicht wieder auf bayrisch winterliches Januar Niveau abflachen? Denn die Wintergäste stellen sich nun glaube ich schon auf den Frühling ein. Da bin ich ja mal neugierig, was die nächsten Wochen noch für Überraschungen bringen werden.

Sonntag, 2. Januar 2011

Kindergarten




Jetzt ist es so weit. Ein kleiner Folientunnel im Glashaus der Wintergäste sorgt für die nötige Wärme bei den kleinen Pflanzen. Der weitsichtige Gärtner sollte schon frühzeitig die Pflänzchen in Frühlingsstimmung versetzen. Sonst wird das nix, mit den ersten Gewürzpflanzen bis zu Ostern. Und wenn der Winter weiter so eklig kalt vor sich hin wintert, dann kann man auf die ersten Tomatenpflanzen bis zu den Sommerferien warten!! Es sei denn, der Gärtner heizt etwas mehr als sonst üblich ein. Und dazu dient so ein Haus im Haus. Dann geht die Wärme aus der Kinderstube nicht ganz verloren, sondern verflüchtigt sich allenfalls in das Haus mit den Wintergästen. Und die freuen sich natürlich über einen unverhofften Wärmeeinbruch. Obwohl +6 Grad in diesem Haus nicht gerade ein Anzeichen für eine drohende Hitzewelle sind.

Bleibt zu hoffen, dass die Gewächse sich darüber im Klaren sind, dass ich sehr auf sie und ihre Wachstumsbereitschaft vertraue. Diese kleinen Stecklinge und Sämlinge sind sozusagen der Grundstock für die kommende Saison der Gartentage. Und da warten ja wieder viele Überraschungen. Pflanzen, die ich bisher noch nie persönlich und lebend gesehen hatte, werden dann mit auf Reisen gehen. Ich tröste mich damit, dass diese fremden Gewächse auch mich bis dato noch nie zu Gesicht bekommen hatten. Das lässt auf eine gute Zeit für die Sommersaison schließen.

Ich freue mich schon mit all den Pflanzen wieder auf Reisen zu gehen und hoffe, dass es den "merk-würdigen" Gewächsen auch wieder Spaß macht, durch die Lande zu ziehen.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Saure Gurkenzeit


Kurze Tage, wenig Sonne, kalte Temperaturen..... ja wie soll sich denn da eine Pflanze aus dem sonnigen Süden wohl fühlen? Dazu noch ein Gärtner, der die Temperaturen in den Gewächshäusern kühl hält, damit die Pflanzen auch wirklich in Winterruhe verharren. Kurzum. Für die Pflanzengäste hier in der Winterfreizeit beginnt nun die Saure Gurken Zeit. Möglichst viel Ruhe. Die Gewächse werden die nächste Zeit einfach vor sich hin dösen und möchten bloß nicht belästigt werden! Ab und an etwas Wasser und das wars.
Auch ich erkläre mich mit den Pflanzen solidarisch und eröffne meine ganz persönliche Saure Gurken Zeit. Aus meiner reichen Gurkenernte diesen Sommer, wanderten viele Früchte in die Einmachgläser. Cetriolo Bianco zum Beispiel. Oder die weiße Salatgurke. Aber auch das Ei des Drachen finden sich nun inform von Essiggurken oder süßsauer eingelegten Gurken auf meinem Brotzeittisch wieder. Dazu ein selbst gebackenes Weißbrot, etwas Knoblauch und ein paar wunderbare Oliven aus eigener Ernte. Eine Kanne Tee mit dem sensationellen afrikanischen Hibiskus (Hibiscus sabdariffa). Und das winterliche Arbeitspausen Glück in der Gärtnerei ist perfekt. Dieser Hibiskus ärgert mich zwar seit Jahren, weil ich es einfach nicht schaffe, den in Kultur zu nehmen, um die wunderschönen Malvenpflanzen in meinem Pflanzenzirkus auf den Gartenmärkten zu präsentieren. Aber irgendwann werde ich hoffentlich hinter das Geheimnis dieser exotischen Malvenart geführt. Bis dahin bleibts bei meinen Gurken und dem Hibiskus Tee aus dem Teeladen.

Samstag, 18. Dezember 2010

Dunkle Winterzeit


Damit war zu rechnen. Die ersten Beschwerden der Überwinterungsgäste trudeln ein. Es wäre doch eine Zumutung, dass ich das Sonnenlicht aussperren würde. Einen Platz im sonnigen Glashaus hätten sie gebucht. Und nicht eine dunkle Fabrikhalle. Ja bin ich denn Wettergott? Mich nervt es ja selber, dass sich die Sonne seit Tagen nicht mehr zeigt. Und wenn sie es tut, dann ist durch diese weiße Schneeschicht, die sich wie ein Isolierputz auf die Glasscheiben gelegt zu haben scheint, kein erscheinendes Durchkommen möglich. Die Wintergäste stehen derzeit also wie im Inneren eines Iglus. Da fällt mir wieder ein, dass es in Finnland ein Hotel geben soll, welches komplett aus Eis gebaut ist. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie man in einer Badewanne aus Eis ein entspanntes Bad nehmen kann, aber da die Pflanzen mit Vollbädern eh nichts am Hut haben, verwerfe ich diese Frage auch gleich wieder. Dass aber Pflanzen aus subtropischen Lebensräumen einmal mit dem Gefühl in Berührung kommen dürfen, in einer arktischen Umgebung zu wachsen, ist sicher ein besonderes Special dieser Winterfreizeit und wird den Gewächsen in unauslöschlicher Erinnerung bleiben. Noch in vierhundert Jahren werden die Olivenbäume beispielsweise davon erzählen, wie es damals war, als sie noch jung und sechzigjährig waren. Und von ihren Herrschaften immer auf eine Winterfreizeit geschickt wurden, wo die Winter noch Winter waren und wo sie ständig mit scheinbar gesunden Pflanzentees besprüht wurden. Damals eben.....

Dabei stehen diese Pflanzenstärkungsanwendungen noch bevor. Zunächst mal sollte der Winter ein wenig gnädiger werden. Für den Spaßfaktor einer freizeitgeplagten Generation mag es ja durchaus ein Gewinn sein wenn es schneit. Ich hingegen sehne mir in solchen Momenten der eisigen Kälte eine wenigstens regionale Klimaerwärmung herbei. Muss ja nicht gleich Global sein. Aussuchen kann man es sich aber ja zum Glück doch nicht. Somit bleibt es zunächst mal wie es ist. Saukalt und für die Pflanzen alles andere als gemütlich. Die Aussichten sind der Jahreszeit entsprechend nicht rosig. Nun kommt erstmal die dunkelste Zeit des Jahres mit langen Nächten und kurzen Tagen. Und erst ab Anfang Februar kann man sich mit den Pflanzen wieder über ihre nächsten Urlaubspläne für den kommenden Sommer unterhalten. Bis dahin bleibt die einzige Abwechslung für die Pflanzen das Brummen der Heizung. Immer wieder ein warmes Lüftchen, dass die Blätter der Wintergäste umschmeichelt. Dies schafft eine entspannte Atmosphäre und bringt den Pflanzen eine gewisse Gelassenheit, die sie sicher brauchen werden in den kommenden Wochen.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Winterruhe


Draußen ist es tief verschneit und in den Gewächshäusern macht sich ein klein wenig Langeweile unter den Überwinterungsgästen breit. Pflanzen gehen nunmal nicht in die Stadt um Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Sie kommen auch nicht in Versuchung, all die ganzen Weihnachtsmärkte abzuklappern auf der Suche nach dem besten Glühwein. Für die mediterranen Gewächse ist die Weihnachtszeit verbunden mit Ruhe. Manche Pflanzen lassen vor lauter innerer Einkehr sogar all ihre Blätter fallen. Für die meisten Pflanzen allerdings kommen jetzt die längsten Nächte und damit beginnt für sie der Wettlauf nach dem lebensspendenden Licht. Alle Blätter werden ausgebreitet, so gut es eben geht. Ja kein Lichtstrahl sollte verloren gehen. In den Glashäusern aber, die nur an der Frostgrenze erwärmt sind, dort scheinen die Pflanzen zu schlafen. Kein Laut. Nur das brummen der Heizung ist zu hören. Jetzt bloß nicht hektisch durchs Glashaus laufen, damit die Wintergäste nicht geweckt werden. Nur der Rosmarin..... Blue Lagoon so heißt die Sorte. Der blüht! So ein schmarrn! Das kann ich garnicht leiden wenn die Pflanzen in Winterruhe unbedingt meinen, sie müssten um diese Zeit den Bär tanzen lassen! Und im Frühjahr ist dann Katerstimmung. Nicht ausgeschlafen, keine Kraft um hübsch zu blühen und ständig dahin kränkeln. Das ist wie bei den Menschen, die nach der Arbeit und am Wochenende an den Glühweinständen der Weihnachtsmärte rumhängen und am nächsten Montag sind dann alle krank. Den Rosmarin stell ich jedenfalls mal ins Freie. Damit er zur Besinnung kommt. Und hoffentlich spricht sich das Erlebnis dann im Gewächshaus herum. Ohne Worte versteht sich. Denn Pflanzen sind ja auch nur Menschen.

Samstag, 11. Dezember 2010

Wieder mittendrin


Bis man es sich versieht, ist es wieder Winter und alles scheint beim Alten zu sein. Nein. Wir schreiben (noch) das Jahr 2010 und in meinen Glashäusern tummeln sich wieder alte Bekannte. Alt auch. Obwohl sich der Begriff Alter bei den Pflanzen völlig anders definiert als bei uns Menschen. Bei den Pflanzen zum Beispiel steigen mit zunehmendem Alter Wert und Ansehen. Außerdem ist ein -sagen wir mal- 50jähriger Olivenbaum gerade mal so aus dem Gröbsten raus, wie wir Eltern gerne mal sagen wenn die Kinder so was ähnliches wie Erwachsen werden. Und daher kann ein jugendlicher Olivenbaum mit 50 Jahren noch keinesfalls irgendetwas über Rente hören. Der will raus! Der will was erleben! Da ist er hier in der Winterfreizeit für Überwinterungsgewächse allerbestens aufgehoben. Da steht er unter Gleichgesinnten. Lorbeer, Eukalyptus, Oleander oder aber auch Orangenbäume leisten dem Jungspund Gesellschaft. Hier kann er sich so richtig austoben.... im Stehen versteht sich. Außerdem sind die Bewegungen etwas langsamer, als wir Menschen das gewohnt sind. Das sieht man nicht gleich auf den ersten Blick, wenn ein Trieb wächst! Insgesamt aber hat die Aufgabe Baum zu sein, schon etwas Aufregendes. Also ich meine im pflanzlichen Sinne. Man muss es nämlich schon aushalten können, einfach so herumzustehen.
Deshalb will ich mir für meine Wintergäste in der Gärtnerei, auch dieses Jahr wieder so einiges einfallen lassen. Und Sie können mit dabei sein. Ich versuche alle Aktivitäten an dieser Stelle zu veröffentlichen - zu posten, wie der Bayer sagt.... nein Prosten sagt der Bayer. Posten ist dann wohl wieder etwas Anderes. Jedenfalls lasse ich Sie nicht im Unklaren darüber, was denn so alles in der Winterfreizeit für Kübelpflanzen so passiert..... in der "merk-würdigen" Gärtnerei Kahl