Mittwoch, 20. Februar 2013

Jahrhundert Ernte


Unbemerkt vom hartnäckig vor sich dahin dümpelnden Winter ernte ich die Baumwolle meiner Baumwollgewächse, die sich wirklich tapfer schlagen, durch diesen mehr als trüben und lichtkargen Winterschmarrn (eine hochdeutsche Entsprechung fällt mir für diesen Ausdruck leider nicht ein). Ich möchte behaupten, dass sich in meiner Gärtnerei das größte Baumwollanbaugebiet Bayerns, vielleicht sogar Deutschlands befindet. Das Brutto Erntegewicht beträgt stattliche 380g. Nun hab ich mal kurzfristig überlegt, ob ich meine Rekordernte nicht vielleicht auf der Warenterminbörse in Chicago anbieten sollte. Jedoch sind diese Handelsplattformen wie zu hören und zu lesen war, mehr und mehr von Finanzspekulanten durchsetzt, die zwar für Baumwollproduzenten wie mich einen guten Verkaufserlös erzielen, dafür aber aus ethischen Gründen ziemlich fragwürdig sind. Darum halte ich mich fern von internationalen Geschäften und beschränke mich auf die lokale Präsenz meiner Pflanzen. Und um den Großraum München nicht mit einem Rohstoffangebot an eigen produzierter Baumwolle inflationär zu überschwemmen, werde ich meine Ernte für mich behalten. Die Samen wieder zur Saat auslegen und die gewonnene Wolle allerbestenfalls zu einem Topflappen verhäkeln. Man soll ja nichts übertreiben und vielleicht ist es doch besser, sich in Bescheidenheit zu üben. Toll find ich es trotzdem!

Dienstag, 15. Januar 2013

Nur die Sonne

Heute musste ich den Pflanzen im Gewächshaus erklären, von welcher Erscheinung sie da für kurze Zeit so geblendet wurden. Es war nur die Sonne. Man könnte meinen, der Planet Erde wäre schon am Erstarren. Die Sonne, so könnte man vermuten, ist etwas früher dran und kühlt schon jetzt merklich ab. Ein Phänomen, welches die Wissenschaft in etwa 6 Mrd. Jahren auf uns zukommen sieht. Naja, vielleicht nicht direkt auf uns. Die Tatsache nämlich, dass wir uns mit Hilfe der hoch verehrten technischen Errungenschaften uns derart beschleunigen deutet eher darauf hin, dass wir uns mit Hife fossiler Energieträger allerschnellst von der Erde weg erfinden. Übrig bleiben dann die Pflanzen, ein paar Tiere und Moose, Algen und Flechten vielleicht. Also 6 Mrd. Jahre und dann etwas beschleunigt.... das könnte schon hinhauen. Das Abkühlen der Sonne meine ich. Vielleicht aber bin ich auch bloß mangels ausreichend Tageslicht einer winterlichen Spätherbstdepression verfallen und kann die Dinge derzeit nicht objektiv betrachten. Wer kann aber schon objektiv sein? Nicht mal den Pflanzen scheint das zu gelingen. Die Zitronenblüten fangen an zu faulen und wollen dringendst geputzt werden. Die Oleander Blüten beginnen zu schimmeln und möchten baldmöglichst geschnitten werden. Die Oliven werfen allwinterlich ihre Blätter von sich, als hätten sie gerade bemerkt, dass sie sich in einem Textilfreien - oh pardon - Blattfreien Raum aufhalten.

Auch die mediterranen Pflanzen leiden unter dem graugräulichem Wetter. Und es gibt für mich alle Hände voll zu tun, um die Gewächse zu hätscheln, zu pflegen und bei Laune zu halten. Ich eigne mich zwar nicht zum Entertainer, aber zum Glück stellen die Gewächse diesbezüglich keine hohen Ansprüche. Einfach nur da sein und nichts sagen. Diese Art der Zuwendung widerstrebt zwar meinem gärtnerischen Ideal, aber ich sehe es schon wieder kommen, dass in einem Monat die ganze Wintertristesse vergessen ist und die Gewächse nun schnellstmöglich nach allem verlangen, was die gärtnerische Fürsorge zu bieten hat. Bis dahin scheint alles unter einem dichten Wolkenschleier begraben zu sein. Im Moment aber schlafen alle mediterranen Pflanzengäste. Zumindest aber dösen sie. Ich verhalte mich wie gewünscht ruhig und bin genervt von dem Arschig blöden Winterwetter. Ich verspreche den Pflanzen sonnige Besserung in Kürze, ohne näher zu benennen, wie diese besagte Kürze denn aussehen mag. Leicht ist es nicht, Gärtner zu sein!

Dienstag, 11. Dezember 2012


Als Gärtner der sich mit "merk-würdigen" Nutzpflanzen beschäftigt, ist das fast schon eine Offenbarung. Citrus hystrix, oder anders gesagt Kaffir Limetten, mit soooo einer reichlichen Fruchternte! Kaffirlimetten finden bevorzugt in der Thailändischen Küche Verwendung und dort auch meist ausschließlich inform der Blätter. Das Aroma kann man mit zitronig herb beschreiben. Muffig würde ich eher sagen. Aber, wie so viele Würzzutaten ergibt sich der geschmackliche Sinn erst im Gesamtkunstwerk des gekochten Gerichts. Austern, Trüffel, Epazote. Da gibt es vieles in der Küche, was ein feinfühliger Gaumen eher als verdorbene Zutat einordnen würde. Wäre da nicht das Gesamtkunstwerk (von besagten Austern mal abgesehen, denn da fällt mir weißgott nichts ein, was dieses Schlabberzeug geschmacklich retten könnte) eines Gerichtes, das den Charme erst durch so ein Würzkraut erhält. Wie gesagt, Thailändische Küche. Beziehen kann man die Kaffir Limettenblätter in der Regel über diverse Asia Läden, die inzwischen jedem türkischen Lebensmittelsupermarkt den Rang abzulaufen scheinen. Dort erhalten Sie die Blätter jedoch meist getrocknet (was geschmacklich ungefähr so intensiv ist wie eine Gabel Heu) oder eben tiefgeforen, was an Geschmacksintensität auch nicht viel besser ist. Am Besten einfach frisch. Und dafür sollen die Pflanzen dienlich sein. Deshalb wird die Fruchternte von mir sorgsam ausgelöst und die Kerne wieder zur Aussaat gebracht. Citrus Gewächse lassen sich ja nur ungern aussäen. Zumindest die züchterischen Varietäten. Doch ich bin guter Dinge, nächsten Sommer auf den Märkten die ersten Samenechten Pflanzen präsentieren zu dürfen.

Freitag, 7. Dezember 2012

Neugierige Wintergäste

Kaum zu glauben. Im Allgemeinen vermuten Menschen, die sich auch nur in Ansätzen mit dem Seelenleben von Pflanzen beschäftigen (oder wenigstens tief im Innersten die Existenz eines Selbigen zulassen können), ein im Verhältnis zum Menschen eher träges Reaktionsverhalten auf all die äußeren Einflüsse, die sich um diese geheimnisvollen Kreaturen herum abspielen. Aber neugierig sind sie doch! Und das auch noch ziemlich zeitnah! Zugegeben, es ist ein Bluegum. Also um genau zu sein, ein Eucalyptus globulus ssp. bicostata. Die Vorfahren stammen aus Australien, was auch auf ein trinkfestes Wesen hin schließen lässt, was man zumindest den Menschen Downunder nachsagt. Und nachdem Pflanzen meist auch nur Menschen sind, verhält es sich bei dieser Eukalyptus Art ähnlich. Säuft wie ein Loch (überwiegend Münchner Wasser), scheint stets gut gelaunt zu sein, obwohl ich immer wieder die langen Triebe die er im Sommer zum Vorschein bringt, hemmungslos abschneide, und drückt nun sogar seine graublauen Eukalyptus Blätter scheinbar neugierig an die Fensterscheiben um zu sehen, wie die Schneeflocken da draußen durch die Lüfte tanzen. Mitten im Winter also!
Vielleicht entpuppt sich bei Pflanzen sogar eine bisher unentdeckte Eigenart des Kommunikationsbedürfnisses? Damit könnte man ganze Stammtische begrünen und selbst introvertierte Personen oder welche mit autistischen Zügen würden sich in den Gärtnereien unserer Republik mit neuen Gesprächspartnern eindecken.
Nonverbale Kommunikation funktioniert unter Menschen ja oft unter langjährig verheirateten Partnern, die gemeinsam einen Restaurant besuchen. Hier könnte eine unauffällige Tischpflanze enorm zu einer Belebung des meist nicht existierenden Gespräches beitragen. Den gärtnerischen Geschäftsideen sind praktisch keine Grenzen gesetzt. Und das alles nur wegen eines Eukalyptus Baumes, der das Schneetreiben hinter geschützten Glashaus Wänden scheinbar außerordentlich interessiert verfolgt. Trotzdem hoffe ich auf einen insgesamt milden Winter. Von den Pflanzen kann ich lernen, dass es ja eh so kommt wie es kommt. Ich übe mich weiterhin in Geduld.

Sonntag, 2. Dezember 2012

...also bin ich!

So soll es sein. Auf meiner nicht mehr ganz so neuen Teetasse steht das Wesentliche schon geschrieben. Ein Geschenk meiner Tochter, die mein gärtnerisches Tun seit Jahren schon aus dem (mir) fernen Schottland beobachtet und mein pflanzliches Treiben mit diesen Worten auf einen wirklich treffenden Nenner bringt. Nun ist es ja nicht ganz so einfach, sich auf Pflanzen wirklich einzulassen. Denn wenn man diese Gewächse als Lebende, lebendige und beseelte Wesen anerkennt, dann wird es immer schwieriger mit der artgerechten Haltung oder gar mit dem bewussten essen. Was bei der Frage von Tierfleisch als Lebensmittel inzwischen schon in aller Munde - oder besser eben nicht mehr in aller Munde - zu sein scheint, ist bei Pflanzen noch nichtmal in unser Bewusstsein vorgerückt. Pflanzen als gleichwertige oder gleichberechtigte Lebewesen in unserer Gesellschaft anzuerkennen ist für uns sicherlich noch in weiter Ferne. Wie viele Menschen gibt es, die sich anstatt eines Haustieres ganz bewusst eine Hauspflanze halten würden? Fällt eine Obstplantage schon unter den noch garnicht existierenden Begriff der Massenpflanzenhaltung? Bedeutet eine Gewächshauskultur grundsätzlich Käfighaltung für Nutzpflanzen? Darf man Gemüse einzig zu dem Zweck anbauen, um es am Ende ihres Pflanzenlebens zu schlachten - oh, pardon - zu ernten? Ich gärtnere, also bin ich. Und diese Fragen müssen erlaubt sein.
Ich möchte gerne den Wert - den Lebenswert - einer Pflanze dem eines Tieres gleich gesetzt sehen. Das gelingt mir zugegebenermaßen bisher nur sehr bedingt. Zunächst kommt der Mensch, dann das Tier, danach die Pflanze und am Ende all das Kleinzeugs, das man nicht sehen kann. Mit dieser Rangordnung der Lebewesen bin ich groß geworden. Was passiert aber, wenn diese Einteilung weg bleibt? Es gibt noch viel zu lernen und Vieles zu entdecken.
Ich gärtnere, also bin ich! So ein Glück!

Dienstag, 27. November 2012

Der Beinwell im Winter


Der Beinwell hat ja nicht von Ungefähr seinen Namen. Zellbildend lässt er Gewebe wieder zusammenwachsen. Die Wurzel wurde schon vor Jahrhunderten bei der Behandlung von Knochenbrüchen eingesetzt. Und wieso soll dieses wunderbare Gewächs nicht auch helfen, die Wurzelbildung bei Pflanzen zu beschleunigen? Zum Beispiel als Bewurzelungsmittel nach einem Stecklingsschnitt? Diese Idee ist zugegeben nicht neu, aber ich hab die Wirkung bei Pflanzen noch nie ausprobiert (bei mir hingegen schon und zwar mit sehr überzeugendem Erfolg). Deshalb heute die erste (und für dieses Jahr sicherlich auch letzte) Versuchsreihe in Sachen Wurzelhilfe. Eine Beinwellwurzel zerquetscht und das Mus in 2 Liter Wasser eingeweicht. Nach etwa 2 Stunden mit dem Wasser die Stecklinge angegossen. Parallel dazu hab ich noch die Beinwellstücke ausgelegt. Und zwar zwischen die Stecklinge (in der Hoffnung, dass nicht alle Wurzelstücke wieder austreiben), sowie bei einer umgetopften und grauslig gerupften Olive.
Ich bin sehr neugierig, wie sich die Pflanzen über die ihnen verabreichten Pflanzenmittel äußern. Allerdings beginnt nun die lichtarme - nein - die lichtärmste Zeit des Jahres. Deshalb werde ich meine Vermehrungsarbeiten an und mit den Pflanzen bis in den Februar nächsten Jahres ruhen lassen. Ich hab in den kommenden Wochen sowieso alle Hände voll zu tun, den Pflanzengästen die nötigen Streicheleinheiten zukommen zu lassen, damit sie nicht in eine winterliche Depression fallen.

Samstag, 17. November 2012

Tri - logische Handlung

Aus der Kinowelt weiß ich, dass sich jede Handlung die sich für wichtig nimmt, wenigstens eine Trilogie sein muss! Die Wichtigkeit meiner Behandlungsmaßnahme ist mir zwar durchaus bewusst, allerdings möchte ich keinen Kinofilm daraus entstehen lassen. Parallelen zu der von mir gewählten dreimaligen Anwendung und einer dreiteiligen Kinoepisode, sehe ich daher als völlig zufällig. Um den Zusammenhang zu meinem ersten veröffentlichten Erfahrungsbericht einer homöopathischen Anwendung bei Kübelpflanzen wieder herzustellen hier nochmal in Kürze: Das ganze soll eine vorbeugende und kurative Behandlung zu einer Pseudomonas Bakteriose an Oleander sein, sowie der Peak Spot Blattflecken Krankheit bei Olivenbäumen.
8. November 26 Globuli Sulfur C30 und 26 Globuli Aconitum C30, wie im letzten Post beschrieben aufgelöst und mit 100 Liter Wasser auf die Pflanzen und leicht auch auf die Erde versprüht.
13. November das Ganze mit 26 Globuli Sulfur C200 und 26 Globuli Aconitum C30 wie oben in 100 Liter Wasser gelöst und auf Oleander wie Olivenbäume versprüht.
Letzte Anwendung am 15. November mit 26 Globuli Sulfur C30 und 26 Globuli Aconitum C30 in 100 Liter Wasser gelöst und versprüht.
Dies ist keine wissenschaftliche Studie. Demnach fehlt natürlich auch ein Kontrollbestand, der unbehandelt bliebe. Die Dokumentation meiner Anwendungen soll sich auf diese Blog Einträge beschränken. Wer also meine Vorgehensweise mit Homöopathie an Kübelpflanzen verfolgen möchte, der muss diesen Blog lesen. Ganz einfach. Auffälligkeiten oder Beobachtungen hinsichtlich eines besonders vitalen Wachstumsfortschrittes werde ich natürlich an dieser Stelle berichten.

Montag, 12. November 2012


Irgendwie scheint es eine schier unendliche Geschichte zu werden,  homöopathische Mittel den Pflanzen etwas näher zu bringen. Vielleicht tue ich das ja auch und bemerke lediglich die Reaktion der Gewächse auf die feinstofflichen Dosierungen dieser Mittel nicht. Ich möchte diese Plattform deshalb nutzen, um meine Erfahrungen mit homöopathischen Mitteln an Kübelpflanzen in meiner Gärtnerei öffentlich zu machen. Und hier mein Plan:

Ich arbeite in der Regel mit C30 Potenzen. Nach Christiane Maute bereite ich eine medizinische Grunddosis von 8 Globuli auf 150ml Wasser zu und verrühre diese. Danach verrühre ich dieses Gemenge auf 30 Liter Wasser. Ausgebracht werden die Mittel mit der Gießkanne oder in den meisten Fällen mit einer Motorkolbenspritze, Fassungsvermögen 100 Liter. In diesem Fall sind es 26 Globuli, die ich mit 500ml Wasser ansetze. Dies ist also die sehr spröde Beschreibung mit Zahlen, um dem interessierten Leser und möglicherweise mitgrübelnden Pflanzenliebhaber ein Bild zu verschaffen, wie ich bei meinen homöopathischen Behandlungsmaßnahmen vorgehe. Wenn ich alle Pflanze auf der gesamten Fläche von ca. 1300qm besprühe, brauche ich etwa 200 Liter Spritzbrühe. Dabei handelt es sich hauptsächlich um Gewächse in einer Höhe von 1m bis 3m.
 
Die erste Anwendung war - nein, eigentlich war die erste Anwendung dieser Überwinterungssaison eine Silicea C30 Anwendung. Alle Pflanzen wurden in o.g. Form besprüht, zum Teil auch die Erde der Töpfe benetzt. Zielrichtung gab es keine. Ich erinnerte mich an die Kieselpräparat Spritzungen, die bei Maria Thun beschrieben wird und Silicea bringe ich damit in Verbindung.
Die erste vorsätzliche Anwendung richtete sich gegen Pseudomonas  an Oleander, sowie Peak Spot Blattflecken an Oliven. Dabei kamen 13 Globuli Aconitum C30, sowie 13 Globuli Sulfur C30 zum Einsatz. 100 Liter Spritzbrühe, Ausbringung wie oben beschrieben. Ein sichtbares Ergebnis erwarte ich garnicht, da zumindest die Pseudomonas Probleme in der Regel erst ab Februar auftreten. Genauso der Blattfall bei manchen Olivenbäumen. Ich möchte diesmal die Pflanzen gerne stärken und diese Anwendung soll mein erster Beitrag dazu gewesen sein. Die Ausbringung erfolgte am 9.November. Ich habe nun die Idee, eine zweite Spritzung evtl. mit einer C200 anzuwenden. Von einer Heilpraktikerin hörte ich, dass dies manchmal bei Menschen ein probater Behandlungswechsel sei. Ich freue mich über jeden Kommentar.... naja, sagen wir mal über jeden sachlichen Kommentar.

Samstag, 11. Februar 2012

Eiszeit





Seit Tagen geht das nun schon so, dass ich von meinen Pflanzengästen immer wieder gefragt werde, was denn nun los sei, da draußen! Gemeint ist wohl die eisige Wetterlage und damit verbunden natürlich auch die Tatsache, dass in den Gewächshäusern die Lüftung garnicht mehr aufgehen mag. Stattdessen laufen die Heizungen auf Hochtouren. Die mediterranen Gewächse stehen ganz entspannt im Glashaus, erwachen langsam aus ihrer winterlichen Starre und wundern sich, dass nicht alles eitel Sonnenschein um sie herum ist. Wo sie doch nun gerne einen auf Frühling machen wollten! Ja bin ich ein Wettermacher?!! Ich bräuchte dieses Winterwetter nicht!!!
Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätten wir den winterlichen Vorfrühling der vergangenen Monate ruhig weiter pflegen können. Meinetwegen bis Ende März. Und ab dann Sommer! Also an mir sollte es nicht liegen! Stattdessen wieder diese ewigen Unmutsäußerungen. Nicht mal eine Beschwerde, nur immer wieder ein ganz subtiler Seitenhieb der Pflanzen. Eine kleine Spitze. Da fällt mal wieder ein Schwall Blätter vom Olivenbaum, dort wieder braune Blatttupfer am Oleander. Ein untrügliches Zeichen, dass es manchen Pflanzen nun zu lang wird. Winterfreizeit schön und gut, aber nun ist es genug, so in etwa kann ich dieses hintergründige Gegrummel interpretieren. Aber anstatt sie Ihren Unmut klar äußern, kommen die Pflanzen von hinten. Und obgleich ich es schon gewohnt bin, jedes Jahr im Februar/März das Gleiche, so kann ich diese Art der Unzufriedenheit immer noch nicht gelassen hinnehmen. Ich tu so, als hätte ich nichts bemerkt und kümmere mich weiter um die Pflanzengäste, wie gewohnt. Schneiden, ausputzen, gießen und seit Kurzem auch wieder düngen. Auch homöopathisch hab ich angefangen, manche Gewächse zu behandeln. Zwar experimentiere ich im Moment nur an meinen eigenen Pflanzen damit. Aber es kann sich sicher ausweiten, wenn ich mal Erfahrung gesammelt habe. Vielleicht find ich dann auch mal ein Komplexmittel für depressive Pflanzengäste, damit sich nicht immer diese miese Grundstimmung einstellt im späten Winter.

Aber irgendwann wechselt das Wetter sein Gesicht und plötzlich ist auch bei den Pflanzen wieder alles Sonnenschein. Alles wächst und gedeiht wie der Teufel und ich komm mit der Pflege kaum noch hinterher. Auch das ist jedes Jahr das Selbe. Und trotzdem freut es mich immer wieder, dass meine Wintergäste in der Gärtnerei über eine lange Zeit so eine Ruhe ausstrahlen, dass es kaum auszuhalten ist. Naja, und dass es dann auch mal gut ist, mit der gleichmüten herumsteherei, das kann ich irgendwo dann auch verstehen.
Den Pflanzengästen geht es trotz aller Meckereien gut, sie erwachen langsam aus ihrer Winterlethargie und erwarten nun das übliche Wellness Programm für die nächsten Wochen. Genügend Wasser, viel Dünger zur allgemeinen Stärkung und dann und wann eine kleine Ungeziefer Behandlung mit pflanzlichen Mitteln. Ob die Pflanze im Allgemeinen kannibalistische Gedanken hegt, wenn sie mit Pflanzentees besprüht wird, entzieht sich noch meiner Kenntnis. Ein interessanter Gedanke wäre dies aber allemal.

Samstag, 14. Januar 2012





Es scheint wirklich nicht viele Frauen zu geben, die von sich behaupten würden, dass Sie sich nach einem Friseurbesuch zufrieden und glücklich im Spiegel betrachten könnten. Dieses Phänomen wird sich mir als Mann wohl nie erschließen. Vielleicht spielen sich in den Köpfen mancher Frauen dann Szenarien ab, die sie völlig entstellt und nicht mehr wieder zu erkennen fluchtartig aus dem Frisiersalon flüchten lassen. Ich möchte auch überhaupt nicht weiter hinterfragen, warum diese Ängste bei uns Männern wohl eher sehr selten aufzutauchen scheinen. Als ich heute jedoch an meinen alt ehrwürden Olivenbäumen dieses alljährliche Schnittritual vollzog, musste ich kurzzeitig an die schon angesprochenen weiblichen Friseurtraumata denken. Wie gut, dass es im Pflanzenreich nicht ganz so genau geht mit der Geschlechtlichkeit. Im Falle der Olive bedeutet das, dass männliche und Weibliche Blüten auf einer Pflanze vereint sind, somit würde sich im Falle einer menschlichen Regung die Befindlichkeit in dieser Angelegenheit zwischen Männern und Frauen in etwa ausgleichen. Vermutlich aber reagieren die Pflanzen sowieso ganz anders und womöglich viel fortschrittlicher als wir Menschen dies auf solche Äußerlichkeiten tun würden.
Ich möchte an dieser Stelle meine gärtnerische Arbeit durchaus veröffentlichen. In der Gewissheit, dass die Pflanzen nicht nur souverän damit umgehen können, sondern viel mehr auch diesen winterlichen Frühjahrsschnitt als kräftigende und vitalisierende Maßnahme anerkennen..... wenngleich eine leichte Unsicherheit über die Reaktion der Pflanzen bleibt.

Montag, 21. November 2011

Vorwinterliche Herbstlichkeit



Endlich wieder Sonne! Die Safran Pflanzen recken ihre Blatthalme nach der Sonne und ich hoffe, dass sie sich noch zu der ein oder anderen Blüte aufraffen können! Langsam reifen die Kaki Früchte aus und die Oliven färben sich von einem silbrigen Grün in ein faszinierendes Schwarz. Es ist schon ein Erlebnis, die herbstliche Reifezeit zu beobachten. Pflanzen, die sich fertig machen um sich für den Winter schlafen zu legen, neben Gewächsen, die ihre Blütenpracht immer noch zur Schau stellen, als wäre noch keine Rede von winterlichen Temperaturen und kurzen Tagen. Ich jedenfalls nutze die Zeit, um schon die ersten Aussaaten fürs kommende Frühjahr zu machen. Welche Kräuter und Gewürzpflanzen Sie dann erwarten dürfen, das bleibt noch ein kleines Geheimnis. Außerdem weiß ich es selber noch nicht. Erstmal müssen die Gewächse wachsen und gedeihen. Und dann kann ich einen Überblick machen, wie wir gemeinsam in die nächste Marktsaison gehen können.

Mittwoch, 16. November 2011

Der Nebel und die Geduld

Nebel, Nebel Nebel!! Ich bemühe mich ja, all den Pflanzengästen aus südlichen Regionen einen angenehmen Winteraufenthalt zu bereiten. Aber ich gebe zu, dass uns das Wetter derzeit auf eine harte Probe stellt. Während nicht weit von hier im Alpenvorland vermutlich die Rehe, Hirsche und die Zwischensaisonschnäppchenurlauber in der Sonne fläzen, ist es hier unter der Münchner Nebeldecke wie in einem Eiskeller. Wenig Licht, wenig Temperatur und die Pflanzen sind nicht mal mit wärmender Heizungsluft zufriedenzustellen. Herbstdepression droht sich bei den Pflanzengästen breit zu machen. Keiner der sonnenliebenden Gewächse hat so richtig Lust auf gute Laune. Ich tue das, was ein professioneller Animateur eben macht, wenn die Stimmung zu kippen droht. Ich erscheine mit einer sonnigen Laune bei den Gewächsen. Schneide ganz sachte an ihnen rum und reiße sie außerordentlich vorsichtig aus ihrem gewohnten Wurzelbett, um sie mit neuer frischer Erde zu versorgen. Unter stöhnen, ächzen und wehklagen sind beide Seiten (Gärtner wie Pflanzen) dann froh, wenn dieses Prozedere wieder geschafft ist. Aber wer schön sein will, muss dieses Umtopf Ritual eben über sich ergehen lassen. Und um den Gewächsen für den kommenden Sommer schon jetzt die allerbesten Startbedingungen zukommen zu lassen, gibt es meinerseits eine nicht ganz unruppige Vorgehensweise mit Hilfe von Schere und Spaten. Und als hätte ich es geahnt, zeigt sich der erste Zitronenbaum schon mit Blüte!

Also gut. Das finde ich nun zwar auch etwas übertrieben. Aber ich sehe zumindest einen guten Willen bei den Pflanzengästen erkennbar. Besser als ein guter Wille wäre allerdings ein kleinwenig Sonne! Dieses Wetter zeigt mir wieder, dass ein guter Gärtner im Grunde nicht viel Können aufweisen muss. Wichtig ist, dass er Geduld hat..... und irgendwann werde auch ich ein guter Gärtner, sicher!

Donnerstag, 3. November 2011

Wieder da!



Und jetzt sind fast alle Pflanzengäste wieder da!! Viele bekannte Gesichter - nein, wie sagt man da? - viele bekannte..... dings.... also.... Pflanzen haben es sich gemütlich gemacht in den Gewächshäusern. Die meisten Gäste kenne ich. Manche sind etwas fülliger geworden. Das darf man bei Pflanzen zum Glück ungeniert kommentieren. Nicht so wie bei uns Menschen, wo man sich mit solch einer unbedarften Bemerkung meist sehr böse Blicke einfängt. Alles in Allem sind erneut viele Pflanzengäste dabei und nun kann der Winter beginnen. Vermutlich wirds wieder damit losgehen, dass alle von dem stressigen Sommer erzählen. Von dem Durst und von dem beißenden Hunger, wenn es Wochenlang keinen Dünger gibt. Von der himmlischen Ruhe in den Ferien oder in den anderen Zeiten wo die Familie gen Süden abgereist ist. Zurück bleiben immer scheinbar vernachlässigte Pflanzen, die es sich dann aber so richtig gut gehen lassen. Sie magern dann zwar sichtlich ab, lassen viele Blätter fallen und stellen die Blüte ein. Aber dafür stehen die Gewächse in dieser Zeit auch nicht unter Leistungsdruck. Viele Pflanzenbesitzer glauben einfach, dass ihre Pflanzen um jeden Preis üppig wachsen müssten, immer blühen und Tag ein Tag aus einfach toll aussehen sollten. Dass einer Pflanze so eine Art der Fürsorge lästig sein könnte, auf diese Idee kommen diese Menschen meist garnicht.
Da habens die Kübelpflanzen im Winter gut. Sie stehen bei mir in der Gärtnerei, bekommen die nötige Fürsorge, kulinarisch wie sozial, und bleiben ansonsten von mir unbelästigt. Was bleibt, ist die große Vorfreude mit der alle Beteiligten in die Winterfreizeit für Kübelpflanzen einziehen. Und was sich da für Dinge abspielen in meiner Pensionsgärtnerei, das will ich Ihnen in den nächsten Wochen wieder schildern.

Montag, 3. Oktober 2011

Warten auf die Gäste



langsam weicht die sommerliche Lethargie einer kaum spürbaren Unruhe bei den Pflanzen in der Gärtnerei. Die Gewächse, die hier zwar nicht heimisch aber doch zuhause sind, spüren, dass der Herbst und damit der nächste Winter naht. Während die Menschen hier in München ihren Jahreskreislauf eher nach dem Oktoberfest auszurichten scheinen (Jahresende ist demnach gleich Wiesn Ende), geben sich die Pflanzen mit dem zufrieden, was ihnen das Wetter anbietet. Und eigentlich ist es ganz einfach. Das Wetter deutet auf Winter und die Gewächse ziehen sich zurück. Das machen sie mal mit jemandem, der mit Dirndl und Lederhose bewaffnet auf dem Weg zum teuer reservierten Wiesn Tisch in einem Bierzelt auf dem Oktoberfest ist. Diese Menschen kommen garnicht auf die Idee bei einem eventuell einsetzenden Schneeregenschauer zuhause zu bleiben um still und stumm den Winter zu erwarten. Um das Wetter zu erfahren, befragen wir die Meteorologen, die Pflanzen machen das noch selbst.

Und so gibt es seit Tagen hektisches Treiben in der Gärtnerei. Ich begleite jede einzelne der mediterranen Gewächse hier auf dem Gelände zu ihrem bevorzugten Winterplatz. Das ist vielleicht ein Getue! Da sind die Pflanzen nämlich auch nur Menschen und wehe, die Olive beispielsweise steht nicht an ihrem angestammten Platz! Sofort gibts gelbe Blätter und damit für den Gärtner die erste große Herausforderung für den kommenden Winter. Was will die Pflanze damit sagen? Was fehlt der Pflanze? Wie kann ich dem Gewächs Gutes tun? Dabei wollen die mich oft genug nur verarschen. Denen fehlt meist garnichts. Und nur um mich in Verlegenheit zu bringen, rollen die Einen die Blätter ein, die Anderen lassen sie ohne weitere Anzeichen der Schwäche fallen. Natürlich bevorzugt zu einer Zeit, wenn es an die Rücklieferung geht. Damit ich ja nur saublöd da stehe! Und kaum sind sie dann wieder zurück, melden ihre Besitzer, wie schön sich das Gewächs doch entwickelt.

Mit Pflanzen zu leben und vor allem zu arbeiten ist nicht leicht. Und mit Pflanzen, die lediglich ihren Winter hier verbringen ist es noch viel schwieriger. Sie kennen doch die Ansprüche von Touristen, oder? Sehen Sie, und da sind Pflanzen nicht anders. Bloß eben..... wie soll man sagen.... wortkarger vielleicht. Aber jedes Jahr eine neue Herausforderung. Und jetzt ist es wieder soweit. Die Gärtnerei Pflanzen stehen an ihren angestammten Plätzen und sind bereit, die Pflanzengäste zu begrüßen. Und ich mache mich wieder daran, die meisten der Pflanzen von zuhause abzuholen um sie in die Gärtnerei zu begleiten. Das könnte man vergleichen mit all den Bustouren, welche die vielen Menschen in den Süden zu den Heilbädern karren, damit diese sich dort möglichst allumfassend erholen können. Bloß welcher behandelnde Arzt oder gar Klinikchef begleitet die Kurgäste schon bei ihrer Anreise? Keiner natürlich. Deshalb dürften sich meine Wintergäste eigentlich sehr geehrt fühlen, wenn sie von mir persönlich abgeholt werden um sie in ihre Winterfreizeit für Kübelpflanzen zu begleiten. Ich freue mich jedenfalls schon auf eine neue Saison mit vielen mediterranen Gewächsen, kann endlich wieder meine Lederarbeitshose anziehen ohne gefragt zu werden ob ich "von der Wiesn komm" und bin schon neugierig, was die Pflanzen alles zu erzählen haben. Es ist zwar meist schwierig, das nicht gesprochene zu verstehen. Bei vielen Menschen ist es aber nicht anders.

Montag, 21. Februar 2011

Nebelfrust


Also ich möchte ja nicht meckern.... doch! Ja, doch! Ich möchte eben schon meckern! Eigentlich würde ich mich sogar sehr gerne beschweren wollen!! Seit etwa zehn Tagen Hochnebeliges, nichtssagendes Blödarschwetter und nichts, aber auch garnichts bewegt sich in den Glashäusern! Die Pflanzen wachsen nicht, sie machen keine Anstalten neue Blätter zu treiben. Von Blüten mag ich garnicht erst zu träumen anfangen. Gut, ich gebe zu. Ein guter Gärtner sollte seine Pflanzen auch in Zeiten der witterungsbedingten ewigen Ruhe bei Laune halten können. Dies würde aber voraussetzen, dass sich wenigstens der Gärtner fit genug fühlt um für seine Pflanzen den Clown zu geben. Aber ich muss gestehen, dass mich solche Lichtarmen Nebelzeiten wenig ausgeglichen machen. Kein Wind, keine Sonne, kein Regen..... nicht mal nennenswerte Mengen Schnee wollen den Himmel weiß färben. Im Moment gilt es nur abzuwarten und das alles auszuhalten. Zwischendurch gibt es schonmal die ersten Testauftritte auf Gartentage für meine Pflanzen. In der Halle versteht sich. Mit ausreichend Kunstlicht, was sonst!? Das ist eine Möglichkeit, die Pflanzen etwas bei Laune zu halten, sie unter die Leute zu bringen und mich dazu..... vielleicht geht so auf diese Weise auch der hartnäckigste Nebelfrust. Bei den Pflanzen genauso wie bei mir.

Montag, 17. Januar 2011

Frühlingslüftchen

Gestern, 16. Januar und Frühling in München. Die Sonne über Oberbayern scheint sich in ihrer flachen Winterbahn etwas verlaufen zu haben. Denn gestern hat sie uns ein sehr wärmendes Schauspiel geliefert. Alle Menschen in München schienen den Drang verspürt zu haben, raus gehen zu müssen um Sonnenlicht und Wärme zu tanken. Die Einen überrennen dabei die Parks der Stadt, die Anderen sitzen lieber in den Cafes und nippen an einem Espresso, wieder andere sieht man dick eingepackt in ihrem Auto sitzen und mit ihrem Cabrio durch die Stadt flanieren. Wichtigstes Utensil scheint an solchen Sonnentagen die Sonnenbrille zu sein. Es ist mir nach wie vor ein Rätsel, warum sich viele Menschen zwar übers Sonnenlicht freuen, ihren Augen aber offensichtlich die ewige Dunkelheit verschrieben zu haben scheinen.
Bei den Wintergästen in der Gärtnerei ist es da schon anders. Alle Pflanzen scheinen ihre Blätter an so einem Tag voll und ganz auf die Sonne auszurichten. Nur keinen Strahl auslassen.
Und wenn man so durch die Glashäuser geht macht es den Anschein, als würden sich die Pflanzengäste auf einen gedanklichen Sonntagsspaziergang begeben. Das fehlte noch. Am Ende sollte ich mir noch ein Cabrio mieten um die Pflanzen durch die Stadt zu fahren? Pffff...... Allerdings kann man seit Kurzem schon die ersten Blütenknospen erkennen. An Oleandern genauso wie bei der Juanulloa.... Don Juan Pflanze, naja, wenn man so einen Namen aufgedrückt bekommt, da kann man ja auch nur noch schön sein wollen wann immer es auch geht.
Eine gärtnerische Herausforderung bleibt die Frage was man den mediterranen Gewächsen wohl erzählt, wenn die Temperaturen und das fehlende Sonnenlicht wieder auf bayrisch winterliches Januar Niveau abflachen? Denn die Wintergäste stellen sich nun glaube ich schon auf den Frühling ein. Da bin ich ja mal neugierig, was die nächsten Wochen noch für Überraschungen bringen werden.

Sonntag, 2. Januar 2011

Kindergarten




Jetzt ist es so weit. Ein kleiner Folientunnel im Glashaus der Wintergäste sorgt für die nötige Wärme bei den kleinen Pflanzen. Der weitsichtige Gärtner sollte schon frühzeitig die Pflänzchen in Frühlingsstimmung versetzen. Sonst wird das nix, mit den ersten Gewürzpflanzen bis zu Ostern. Und wenn der Winter weiter so eklig kalt vor sich hin wintert, dann kann man auf die ersten Tomatenpflanzen bis zu den Sommerferien warten!! Es sei denn, der Gärtner heizt etwas mehr als sonst üblich ein. Und dazu dient so ein Haus im Haus. Dann geht die Wärme aus der Kinderstube nicht ganz verloren, sondern verflüchtigt sich allenfalls in das Haus mit den Wintergästen. Und die freuen sich natürlich über einen unverhofften Wärmeeinbruch. Obwohl +6 Grad in diesem Haus nicht gerade ein Anzeichen für eine drohende Hitzewelle sind.

Bleibt zu hoffen, dass die Gewächse sich darüber im Klaren sind, dass ich sehr auf sie und ihre Wachstumsbereitschaft vertraue. Diese kleinen Stecklinge und Sämlinge sind sozusagen der Grundstock für die kommende Saison der Gartentage. Und da warten ja wieder viele Überraschungen. Pflanzen, die ich bisher noch nie persönlich und lebend gesehen hatte, werden dann mit auf Reisen gehen. Ich tröste mich damit, dass diese fremden Gewächse auch mich bis dato noch nie zu Gesicht bekommen hatten. Das lässt auf eine gute Zeit für die Sommersaison schließen.

Ich freue mich schon mit all den Pflanzen wieder auf Reisen zu gehen und hoffe, dass es den "merk-würdigen" Gewächsen auch wieder Spaß macht, durch die Lande zu ziehen.

Dienstag, 28. Dezember 2010

Saure Gurkenzeit


Kurze Tage, wenig Sonne, kalte Temperaturen..... ja wie soll sich denn da eine Pflanze aus dem sonnigen Süden wohl fühlen? Dazu noch ein Gärtner, der die Temperaturen in den Gewächshäusern kühl hält, damit die Pflanzen auch wirklich in Winterruhe verharren. Kurzum. Für die Pflanzengäste hier in der Winterfreizeit beginnt nun die Saure Gurken Zeit. Möglichst viel Ruhe. Die Gewächse werden die nächste Zeit einfach vor sich hin dösen und möchten bloß nicht belästigt werden! Ab und an etwas Wasser und das wars.
Auch ich erkläre mich mit den Pflanzen solidarisch und eröffne meine ganz persönliche Saure Gurken Zeit. Aus meiner reichen Gurkenernte diesen Sommer, wanderten viele Früchte in die Einmachgläser. Cetriolo Bianco zum Beispiel. Oder die weiße Salatgurke. Aber auch das Ei des Drachen finden sich nun inform von Essiggurken oder süßsauer eingelegten Gurken auf meinem Brotzeittisch wieder. Dazu ein selbst gebackenes Weißbrot, etwas Knoblauch und ein paar wunderbare Oliven aus eigener Ernte. Eine Kanne Tee mit dem sensationellen afrikanischen Hibiskus (Hibiscus sabdariffa). Und das winterliche Arbeitspausen Glück in der Gärtnerei ist perfekt. Dieser Hibiskus ärgert mich zwar seit Jahren, weil ich es einfach nicht schaffe, den in Kultur zu nehmen, um die wunderschönen Malvenpflanzen in meinem Pflanzenzirkus auf den Gartenmärkten zu präsentieren. Aber irgendwann werde ich hoffentlich hinter das Geheimnis dieser exotischen Malvenart geführt. Bis dahin bleibts bei meinen Gurken und dem Hibiskus Tee aus dem Teeladen.

Samstag, 18. Dezember 2010

Dunkle Winterzeit


Damit war zu rechnen. Die ersten Beschwerden der Überwinterungsgäste trudeln ein. Es wäre doch eine Zumutung, dass ich das Sonnenlicht aussperren würde. Einen Platz im sonnigen Glashaus hätten sie gebucht. Und nicht eine dunkle Fabrikhalle. Ja bin ich denn Wettergott? Mich nervt es ja selber, dass sich die Sonne seit Tagen nicht mehr zeigt. Und wenn sie es tut, dann ist durch diese weiße Schneeschicht, die sich wie ein Isolierputz auf die Glasscheiben gelegt zu haben scheint, kein erscheinendes Durchkommen möglich. Die Wintergäste stehen derzeit also wie im Inneren eines Iglus. Da fällt mir wieder ein, dass es in Finnland ein Hotel geben soll, welches komplett aus Eis gebaut ist. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, wie man in einer Badewanne aus Eis ein entspanntes Bad nehmen kann, aber da die Pflanzen mit Vollbädern eh nichts am Hut haben, verwerfe ich diese Frage auch gleich wieder. Dass aber Pflanzen aus subtropischen Lebensräumen einmal mit dem Gefühl in Berührung kommen dürfen, in einer arktischen Umgebung zu wachsen, ist sicher ein besonderes Special dieser Winterfreizeit und wird den Gewächsen in unauslöschlicher Erinnerung bleiben. Noch in vierhundert Jahren werden die Olivenbäume beispielsweise davon erzählen, wie es damals war, als sie noch jung und sechzigjährig waren. Und von ihren Herrschaften immer auf eine Winterfreizeit geschickt wurden, wo die Winter noch Winter waren und wo sie ständig mit scheinbar gesunden Pflanzentees besprüht wurden. Damals eben.....

Dabei stehen diese Pflanzenstärkungsanwendungen noch bevor. Zunächst mal sollte der Winter ein wenig gnädiger werden. Für den Spaßfaktor einer freizeitgeplagten Generation mag es ja durchaus ein Gewinn sein wenn es schneit. Ich hingegen sehne mir in solchen Momenten der eisigen Kälte eine wenigstens regionale Klimaerwärmung herbei. Muss ja nicht gleich Global sein. Aussuchen kann man es sich aber ja zum Glück doch nicht. Somit bleibt es zunächst mal wie es ist. Saukalt und für die Pflanzen alles andere als gemütlich. Die Aussichten sind der Jahreszeit entsprechend nicht rosig. Nun kommt erstmal die dunkelste Zeit des Jahres mit langen Nächten und kurzen Tagen. Und erst ab Anfang Februar kann man sich mit den Pflanzen wieder über ihre nächsten Urlaubspläne für den kommenden Sommer unterhalten. Bis dahin bleibt die einzige Abwechslung für die Pflanzen das Brummen der Heizung. Immer wieder ein warmes Lüftchen, dass die Blätter der Wintergäste umschmeichelt. Dies schafft eine entspannte Atmosphäre und bringt den Pflanzen eine gewisse Gelassenheit, die sie sicher brauchen werden in den kommenden Wochen.

Mittwoch, 15. Dezember 2010

Winterruhe


Draußen ist es tief verschneit und in den Gewächshäusern macht sich ein klein wenig Langeweile unter den Überwinterungsgästen breit. Pflanzen gehen nunmal nicht in die Stadt um Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Sie kommen auch nicht in Versuchung, all die ganzen Weihnachtsmärkte abzuklappern auf der Suche nach dem besten Glühwein. Für die mediterranen Gewächse ist die Weihnachtszeit verbunden mit Ruhe. Manche Pflanzen lassen vor lauter innerer Einkehr sogar all ihre Blätter fallen. Für die meisten Pflanzen allerdings kommen jetzt die längsten Nächte und damit beginnt für sie der Wettlauf nach dem lebensspendenden Licht. Alle Blätter werden ausgebreitet, so gut es eben geht. Ja kein Lichtstrahl sollte verloren gehen. In den Glashäusern aber, die nur an der Frostgrenze erwärmt sind, dort scheinen die Pflanzen zu schlafen. Kein Laut. Nur das brummen der Heizung ist zu hören. Jetzt bloß nicht hektisch durchs Glashaus laufen, damit die Wintergäste nicht geweckt werden. Nur der Rosmarin..... Blue Lagoon so heißt die Sorte. Der blüht! So ein schmarrn! Das kann ich garnicht leiden wenn die Pflanzen in Winterruhe unbedingt meinen, sie müssten um diese Zeit den Bär tanzen lassen! Und im Frühjahr ist dann Katerstimmung. Nicht ausgeschlafen, keine Kraft um hübsch zu blühen und ständig dahin kränkeln. Das ist wie bei den Menschen, die nach der Arbeit und am Wochenende an den Glühweinständen der Weihnachtsmärte rumhängen und am nächsten Montag sind dann alle krank. Den Rosmarin stell ich jedenfalls mal ins Freie. Damit er zur Besinnung kommt. Und hoffentlich spricht sich das Erlebnis dann im Gewächshaus herum. Ohne Worte versteht sich. Denn Pflanzen sind ja auch nur Menschen.